Über unser Kino in Twistringen

Über unser Kino in Twistringen

 

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis……….so weit entfernt nun auch nicht, denn die Geschichte spielt hier in unserem wunderschönen Twistringen. Wir schreiben das Jahr 2022 und der Mai verspricht bereits das der Sommer von vielen sonnigen und warmen Tagen durchsetzt sein wird. Schön wenn die Kinder in den Sommerferien ihren Spaß im Freibad haben können, denkt sich Olaf Beuermann und setzt sich an den Küchentisch um beim morgendlichen Kaffee die Kreiszeitung zu studieren. Was er dann im Lokalteil lesen muss, lässt beinahe den Kaffee bitter werden. „Im August fällt der Vorhang: Das Twistringer Kino schließt“

 

Das darf doch nicht wahr sein! So ist die erste Reaktion. Nein das Kino darf nicht schließen, es muss doch möglich sein das zu verhindern. Unzählige Gedanken schießen in diesem Moment durch den Kopf. Kino das ist doch mehr als nur Filme, das ist Kultur. Zumal doch das Kino in Twistringen als Servicekino eines des letzten dieser Art überhaupt ist. Hier haben so viele Twistringer ihren ersten Kinobesuch erlebt und verknüpfen so manche Erinnerung mit dem Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße. Es ist nun einer dieser historischen Momente, ein Moment, wenn sich aus einem Gedanken eine Idee entwickelt, diese dann immer konkretere Formen annimmt und schließlich in einem Telefongespräch mit dem Kinobetreiber in Twistringen enden. Man verabredet sich für ein persönliches Gespräch und schon bald steht seitens Olaf Beuermann fest – ein Förderverein für das Kino muss her. Die Kreiszeitung berichtet Anfang Juni unter der Schlagzeile „Kinoschließung: Das darf die Stadt nicht zulassen“ von dieser Idee und leitet den Aufruf zum Handeln an die Einwohner der Stadt Twistringen weiter. Einer dieser Bürger ist Heinz Meyer, auch er hat die Berichte rund um die geplante Schließung des Kinos verfolgt und sitzt nun vor der aufgeschlagenen Zeitung. Sein Blick liegt auf den Zeilen in denen die Kontaktdaten von Olaf Beuermann stehen und nach kurzer Bedenkzeit hebt er sein Telefon und macht den entscheidenden Anruf, der nicht nur sein Leben verändern wird.

 

Fast ein bisschen wie in „Die glorreichen Sieben“ als die Zahl der Helden erst von 1 auf 2 und dann immer weiterwächst, ist es auch hier. Zwar geht es bei der Rettung des Kinos nicht darum wer als schnellster ziehen oder am besten treffen kann. Doch es geht auch hier um Mut, Durchhaltewillen, Geschick, Aufopferung und alles gemischt mit einer guten Portion Menschlichkeit. So formieren sich in Twistringen die treibenden Kräfte und konkretisieren die Idee um den Förderverein immer weiter. Nach einem erneuten Zeitungsaufruf ist es soweit. Als Ort der Zusammenkunft ist das Hotel zur Börse ausgewählt, als Tag der 22. Juni und stattfinden soll die Vereinsgründung um 19.30 Uhr. Es sind über 30 Unterstützer zu diesem Termin gekommen und es wird ein Abend des regen Austausches und nicht zuletzt der Abend an dem sich der Verein „Filmtheater Twistringen“ gründet und seine Arbeit im gleichen Zug nun offiziell aufnimmt. In seiner Satzung legt der Verein fest, das man den Betrieb des Kinos in Twistringen unterstützen will und in Kooperation mit dem Betreiber dem Lichtspielhaus durch zukünftige Aktionen wieder zu mehr Besuchern verhelfen möchte. Es gibt viel zu tun und die erste Tat lässt auch nicht lange auf sich warten. Am 29. Juni läuft die erste vom Verein angeschobene Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Kinos in Twistringen an. Der Film „Tom und Jerry“ läuft auf ukrainisch für alle Flüchtlinge aus der Ukraine. Die Aktion wird so ein Erfolg, dass direkt eine Wiederholung der Aktion im August angesetzt wird. 

 

Die freiwilligen Helfer um Olaf Beuermann und Heinz Meyer übernehmen auf ehrenamtlicher Basis immer mehr Vorstellungen im Kino und entlasten somit gleichzeitig den Kinobetreiber bei den Personalkosten. Auch in die Programmplanung kann sich der Verein einbringen und verschafft beispielsweise der Filmreihe um die Helden Winnetou und Old Shatterhand einen Auftritt auf der 12 Meter Leinwand des Kinos. Die Twistringer honorieren den Einsatz des Vereins und danken es durch steigende Besucherzahlen. Das Kino in Twistringen scheint wieder in aller Munde zu sein, alles entwickelt sich positiv so könnte man meinen. 

 

Am 14. September eröffnet der Kinobetreiber dem Vorstand des Vereins, dass er das Kino in Twistringen nun doch endgültig zum 30. September schließen wird. Dem Verein wird angeboten die Einrichtung für einen akzeptablen Betrag zu übernehmen. Das kam ohne jede Vorwarnung und stellte den Vorstand vor eine Kette von Entscheidungen die man so nicht geplant hatte. Und wieder war es Olaf Beuermann der nicht einfach aufgeben wollte und er war nicht allein, auch Heinz Meyer stellte sich dieser neuen Herausforderung und zusammen wurde kurzerhand ein Konzept auf die Beine gestellt das man den Vereinsmitgliedern auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. September vorstellte. Ein besonderer Dank gilt der Stadt Twistringen und Ihrem Bürgermeister Jens Bley, sowie der Volksbank in Twistringen, die mit ihrer Unterstützung maßgeblich zum Erfolg des Konzepts beigetragen haben. Die Entscheidung zur Übernahme des Kinobetriebs erfolgt einstimmig. Damit war die Entscheidung gefallen und was nun folgt sind die wohl turbulentesten Wochen in der noch jungen Vereinsgeschichte. 

 

Mit dem Inhaber der Immobilie wurde ein neuer Pachtvertrag geschlossen, während zeitgleich die Übergabe der Einrichtung durch den Kinobetreiber erfolgte. Der Kinobetrieb wurde erstmal ausgesetzt, da der Verein beschlossen hatte das Kino einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. So wurden alle Vereinsmitglieder zum Großreinemachen eingeladen und viele helfende Hände sorgten dafür das alles alsbald im neuen alten Glanz erstrahlte. Heinz Meyer übernahm viele der Renovierungsarbeiten in eigener Regie und verhalf nicht nur den Wänden zu einem neuen Anstrich. Wie viele Stunden er während dieser Zeit im Kino verbracht hat kann er nicht mehr sagen, aber es hat Spaß gemacht und er würde es sofort wieder tun. 

Den unzähligen bürokratischen Hürden stellte sich Olaf Beuermann und er überwand so manches Hindernis mit seiner durchsetzungsstarken Art. So wundert es auch nicht das in einer Rekordzeit von unter einem Monat die Betriebsbereitschaft des Kinos wieder hergestellt war. Nach harter Kalkulation war es sogar möglich die Preise für den Eintritt zu senken und die Struktur für die Aufschläge hinsichtlich Überlänge und 3D Vorführung zu vereinfachen. Auch die Preise für Nicht-alkoholische Getränke konnten gesenkt werden, gleiches gilt auch für den beliebten Kinosnack Popcorn. Alles sehr zur Freude der Besucher. 

 

Am 27. Oktober flimmerte der erste Film unter der Regie des Vereins über die Leinwand und die Besucher kamen in Strömen. Der Tag war ein voller Erfolg und war für alle Helfer die schönste Belohnung die man sich vorstellen kann. Das Strahlen in den Augen der Besucher ist nicht mit Geld zu bezahlen und dafür machen wir das hier – sagen Olaf Beuermann und Heinz Meyer im gleichen Atemzug. So macht Vereinsarbeit Spaß! 

 

Als besonderer Gast in diesen ersten Tagen trat der Schützenverein Twistringen auf. Denn auf dem Komers des Schützenfestes 2022 wurde in für den neu gegründeten Verein Filmtheater Twistringen gesammelt. Es kamen Spenden von über 1400 EUR zusammen, die der Schützenverein kurzerhand auf 1500 EUR aufgerundet hatte. Dieses Geld wurde symbolträchtig in einem großen Stiefelglas dem Filmtheater Twistringen überreicht. Denn auch der Schützenverein teilt den Wunsch das Kino in Twistringen zu erhalten, wird hier doch jedes Jahr der Film vom Schützenfest präsentiert. Eine Veranstaltung die Tradition hat. 

 

Seitdem laufen die verschiedensten Filme auf der Leinwand des Filmtheaters in Twistringen und erfreuen Kleine und Große Besucher. Wie die Geschichte weitergeht? Nun das habt ihr alle in der Hand. Komm, wir gehen ins Kino nach Twistringen!